Der FC St. Pauli ist noch nicht wirklich in der 2. Fußball-Bundesliga der Männer angekommen. Zwei Unentschieden zum Start sind für den Bundesliga-Absteiger kein Fehlstart, dennoch gibt es reichlich Verbesserungspotential. Auftaktgegner für den Bundesliga-Absteiger am Millerntor war die Spielvereinigung Fürth. Die Franken blieben nur in der 2. Liga aufgrund der gewonnenen Relegation gegen Essen. Dennoch kamen die Kiezkicker nicht über ein 1:1 hinaus.
In der ersten Viertelstunde vergab Martijn Kaars freistehend vor Fürths Torwart Florian Hellstern, der bereits früh den Zorn des Publikums zu hören bekam – aufgrund seiner zögerlichen Spieleröffnung beim Stand von 0:0. Die neue Nummer 1 im Sturm von St. Pauli hätte allerdings mehr aus dem eins-gegen-eins machen müssen, zudem er am Spieltag zuvor an einer ähnlichen Situation scheiterte. Ermöglicht wurde die Großchance von Branimir Hrgota, der als Neuzugang von Fürth kam und somit schnellstmöglich auf seinen alten Arbeitgeber traf. Das Offensivtrio komplettierte Taichi Hara, der jedoch noch nicht vollends eingebunden war und zudem hin und wieder im Abseits stand.
Der erste Jubel im Millerntor brandete auf, als St. Paulis Torhüter Ben Voll auf der anderen Seite im eins-gegen-eins gegen Felix Klaus parierte und im Anschluss an die Aktion vor der Südkurve die Faust ballte. Langsam aber sicher entwickelte sich ein Privatduell zwischen dem Fürther Angreifer und der neuen Nummer 1 im Tor der Kiezkicker. Klaus hatte die nächste gute Abschlussposition in der 36. wieder Minute. Sieben Zeigerumdrehungen später rannte er zielstrebig seine rechte Seite entlang in den Strafraum ab und schloss wuchtig ab, fand aber erneut seinen Meister in Voll. Daher ging es torlos in die Kabinen.
Nur eine Minute nach Wiederanpfiff sorgte eine Koproduktion der einzigen beiden Neuzugänge in der Startelf für die Führung. Hrgotas Ecke fand den Kopf von Marcus Mathisen, der am höchsten stieg und unhaltbar einköpfte. Das 1:0 währte allerdings nur sechs Minuten, da es Klaus schließlich gelang, Voll zu bezwingen. Ausgerechnet Torschütze Mathisen fälschte noch unglücklich ab. St. Pauli offenbarte Probleme in der Konterabsicherung, immer wieder stieß Klaus mit schnellen Schritten vor – so auch nach einer gespielten Stunde. Diesmal jedoch gestoppt von Arkadiusz Pyrka, der sich für den ausgelassenen Jubel eine gelbe Karte abholte.
Der unter Applaus eingewechselte Ricky Jade-Jones holte in der 90. Minute beinahe noch einen Foulelfmeter raus, doch das Schiedsrichtergespann entschied sich gegen einen Pfiff. In der letzten Minute der Nachspielzeit hätte die Partie allerdings auch noch komplett kippen können, doch Voll parierte zwei Mal stark. Trainer Marcel Rapp widersprach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel dem Eindruck, dass der zweijährige Abstiegskampf noch etwas in der Mannschaft stecke. Etwa durch das teilweise zögerliche Anlaufen des gegnerischen Torwarts oder Unsicherheiten in der Defensive: „Da habe ich jetzt nicht gesehen, dass irgendeine Verunsicherung in der Mannschaft ist“, so der Neu-Trainer, sie seien „auf dem richtigen Weg und wollen da weitermachen“.
Gegen Kiel bekam St. Pauli zwar keine Reihe an Konterchancen mehr gegen sich, dafür standen die Boys in Brown jedoch zu tief und agierten in Teilen des Spiels zu passiv. Der neue nominelle Abwehrchef Mathisen konnte, wie auch gegen Fürth, defensiv noch nicht vollständig überzeugen. Die Stürmer Kaars und Hara trafen zwar, hätten jedoch bei besserer Chancenverwertung bereits bei mehr als nur einem Tor stehen können. Es kann jedoch auch davon ausgegangen werden, dass St. Pauli mehr ins Rollen kommt, wenn die Zukunft von Joel Fujita und Eric Smith geklärt ist und damit dann auch die Rollenverteilung im Mittelfeld.





